Georg langweilt sich (Kurzgeschichte)

Georg nahm sein Frühstück zu sich und langweilte sich. Das Frühstück schmeckte fad und langweilig, langweilig und fad.

 

Georg war fad und langweilig zumute, langweilig und fad. Draußen schien die Sonne. Draußen, draußen kann es nur besser werden, dachte sich Georg. Er zog sich also die Schuhe an, seine Jacke, griff nach seinem Schlüssel und verließ die Wohnung. Georg vergaß nicht, seine Wohnungstür abzusperren, ging die Treppe hinab und schließlich aus dem Haus.

 

Vor der Haustüre beschien ihn die Sonne von der Seite, eine Brise komme von der anderen Seite.  Wie langweilig, dachte Georg, mehr hast du nicht zu bieten, liebes Wetter? Sowas habe ich schon tausende Male gehabt, lass dir mal was Neues einfallen!

 

Ein lachender Junge lief an Georg vorbei, ein lachender Junge hinterher.

„Krieg dich!”  rief der hintere Junge.

„Kriegst mich nihicht!” der vordere.

 

Kind sein, wie langweilig, dachte Georg. Dann fiel ihm auf, dass die Vögel zwitschern, ein wildes Durcheinander von Vögeln, die zwitschern. Die zwitschern auch immer gleich, fällt denen nichts Neues ein?

 

Hier konnte er nicht bleiben, hier würde er noch vor Langeweile sterben. Also machte er sich auf zum Park, dort musste es einfach besser werden.

 

Erst die Straße runter, dann nach links, der Straße über die Brücke folgen, bis zum Ende dieser Straße, an der Ampel warten, über die Ampel, nach rechts, nur noch circa 300 Meter,  durchs Tor, schon war er im Park.

 

Hier gab es Wege, an deren Rändern Bäume standen, Platanen, Eichen und Ahorn. Es gab neben den Wegen und drei große Wiesen. Ein Bach floss durch den Park, der speiste der einen großen Teich und mehrere kleine Teiche.  Auf den Teichen schwimmen Enten, Gänse und Schwäne. Wie langweilig sie da umher schwimmen, dachte Georg. Er ging ein wenig durch den Park, bis er sich auf eine freie Bank setzte.

 

Er war ja nicht alleine im Park, andere Besucher gingen an seiner Parkbank vorbei. Da waren verliebte Pärchen, die Hand in Hand gingen, Rentner mit Hunden, Rentner ohne Hund. Eine Familie mit drei Kindern ohne Hund, eine Familie mit zwei Kindern, dafür hatten sie gleich zwei Hunde, einen Dackel und eine mittelgroße Promenadenmischung. Dann kam ein schwules Paar vorbei, das sich heftig unterhielt. Irgendetwas von einer Steffi, die sich auch schon lange ein Kind wünsche, der können doch der größere der beiden, ein gewisser Paul, seinen Samen spenden.

 

Immer die gleichen Gespräche, Georg wurde ganz übel vor Langeweile. Georg stand wieder auf und ging weiter. Ihm war noch immer fad und langweilig, langweilig und fad.

 

Er ging einfach immer weiter durch den Park, bis er zu einem Ausgang gelangte. Er verließ den Park wieder. Einfach mal in die Innenstadt gehen. Der Weg langweilte Georg sehr. Es half aber nichts, er musste sich zerstreuen. Er kam an einem Parkplatz vorbei, wo ein paar Jugendliche Autos zerkratzten. Die langweilen sich wohl auch, dachte er und ging weiter. Die Jugendlichen hatten ihn bemerkt. Sie sahen, dass es ihn ganz offensichtlich nicht interessierte und ließen ihn weiter gehen.

 

In der Innenstadt, wo Georg inzwischen angelangt war, waren nur wenige andere Leute, die Geschäfte hatten, wie an einem Sonntag üblich, geschlossen. Georg ging einfach weiter und weiter.

 

Er erreichte einen Dönerladen und ging hinein. Sein Magen war leer, den könnte er auch mal wieder füllen. Er bestellt der einen Döner, wartete, bis der fertig war, nahm den Döner und setzte sich an einen der Tische. Ach ja, das rote Gewürz, das musste auch auf den Döner, ganz viel davon. Er biss hinein, der Döner schmeckt der fad und langweilig, langweilig und fad. Georg aß den Döner auf, er füllte wenigstens den Magen. Ob es geschmeckt habe, wurde Georg gefragt. Das habe es, war die höfliche Antwort, zu einem Lächeln konnte sich Georg trotzdem nicht bewegen.

 

Er verließ den Laden und machte sich auf den Heimweg. Auch der Heimweg war langweilig.

 

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Frau Schneider (kurze Kurzgeschichte)

Frau Schneider stand wie jeden morgen um 6:00 Uhr in der Früh auf. Sie ging in die Küche, nahm die Butter aus dem Kühlschrank und machte Kaffee. Dann ging sie zurück ins Schlafzimmer und zog ihre Kleidung für den Tag an. Anschließend führte sie ihr Weg ins Bad, wo sie ihr Haar bürstete, um es zu einem Dutt hoch zu stecken. Seit nunmehr 15 Jahren trug sie ihr weißes Haar als Dutt. Ihr Ehemann Horst war gar nicht begeistert, als sie mit dem Dutt angefangen hatte.

„Du siehst aus wie eine alte Oma“, hatte er damals gesagt.

Auch später gewöhnte er sich nicht an ihre Frisur, immer wieder machte er abfällige Bemerkungen. Aber das gehörte der Vergangenheit an. Horst, nunja, lebte seit bald zehn Jahren nicht mehr. Eines Morgens wachte Frau Schneider auf, es war ein Donnerstag im November, und ihr Mann lag tot neben ihr im Bett. Der herbeigerufene Hausarzt machte sich keine große Mühe bei der Leichenbeschau und trug einen Herzinfarkt als Todesursache in den Totenschein ein und leitete die nötigen nächsten Schritte ein. Herr Schneider war schon seit Jahren wegen einer Herzerkrankung in Behandlung.

„Ach Horst,“ sagte Frau Schneider leise zu sich selbst, „deine Isolde meistert ihr Leben auch ohne dich.“

Fertig mit den Haaren ging Isolde Schneider wieder in die Küche und frühstückte. Es war ein Dienstag, dienstags gab es zum Frühstück zwei Käsebrote und dazu Kaffee, schwarz. Schwarzen Filterkaffee gab es zu jedem Frühstück, der Belag der zwei Butterbrote variierte vom Wochentag zu Wochentag. Nach dem Frühstück ging Frau Schneider vor die Haustüre. Ebenso verlässlich wie Isolde Schneider kam dort auch schon Herr Vollreit auf dem Weg ins Büro vorbei.

„Guten Morgen, Herr Vollreit.“

„Guten Morgen, Frau Schneider.“

„Haben Sie es schon gehört? In der Goethestraße ist doch ein Rentner gestorben.“

„Ja, ich glaube, ich kannte ihn und seine Frau vom Sehen, aus der Kirche.“

„Halten Sie sich fest! Der Doktor hat in den Totenschein eine natürliche Todesursache eingetragen, aber dem Bestatter ist bei der Leichenwäsche wohl etwas aufgefallen, sie haben dann wohl die Leiche in der Gerichtsmedizin untersucht, jetzt hat die Polizei die Frau verhaftet, wegen Mordes!“

„Nein, so was, Sachen gibts!“

„Ja, wirklich! Ich muss dann jetzt aber auch weiter, sonst komme ich zu spät ins Büro. Aber das wollte ich Ihnen noch erzählen.“ Sagte es und ging weiter.

Isolde Schneider grinste innerlich, ihr konnte nichts mehr passieren, Horsts Leiche war schon lange eingeäschert. Wenn man herzkrank ist, sollte man darauf achten, die richtigen Tabletten zu nehmen.

Bestsellerautor (kurze Geschichte)

Ich ging also die Straße hinunter. Ich überlegte mir, einen weltweiten Bestseller zu schreiben, den ersten von mehreren. Damit würde ich Millionen verdienen, ich konnte Millionen gerade gut gebrauchen. So einen Ferrari wollte ich auch schon immer haben. Wer mehrere Millionen auf dem Konto hat, der kann sich so einen Ferrari leisten, die Dinger sind ja auch teuer im Unterhalt, da braucht man schon ein paar Millionen. Und in einer Villa wollte ich schon immer leben.

Also gut, mein Plan stand fest! Mehrere weltweite Bestseller schreiben! Es mussten gleich mehrere sein, ein Erstling bringt nicht viel Geld, das wusste ich bereits. Die Verlage gehen mit einem Neuling ja schon ein Risiko ein, das schlägt sich im Vertrag nieder. Ist man aber erst mal ein arrivierter Autor, dann bekommt man schon einen besseren Vertrag.

Aber was wollen die Leute eigentlich lesen? Thriller, schoss es mir durch den Kopf! Thriller wollen die Leute immer lesen. Ein richtig schön brutaler Thriller! Ein brutaler  Serienkiller, der alleinstehende Frauen und ihre Katzen bestialisch ermordet. Ja! Er ermordet auch die Katzen!

Der Ermittler musste ein gebrochener Held sein. In allen weltweiten Bestsellern war der Ermittler ein gebrochener Held.

Aber was hat ihn gebrochen? Sollte ich nun lieber einen Alkoholiker nehmen, oder sollte ich meinem Ermittler ein anderes Problem geben? Mit Alkoholismus kenne ich mich ja überhaupt nicht aus. Ich habe ja selbst nie viel getrunken, habe längst aufgehört, überhaupt Alkohol zu trinken.

Es musste also ein anderes Problem her. Eines, in das ich mich zumindest hineinversetzen kann. Es hat ja alle Probleme schon gegeben, es musste also kein neues Problem sein.

Eine große Auswahl stand vor mir. Ist dürfte kein zu kleines, aber auch kein zu großes Problem sein.

Ach was! Das Problem müsste den Ermittler ja gebrochen haben, das Problem konnte also gar nicht groß genug sein!

Frau und Kinder sind selbst Opfer eines Serienmörders geworden!

Gut, das hat es auch schon unendlich oft gegeben. Konnte ich das ausgelutschte Thema um eine neue Facette erweitern? Da war ich mir nicht sicher.

Also eigentlich war ich mit meinem Leben recht zufrieden. Ferrari und Villa? Muss ich so etwas unbedingt haben?

Und der ganze Ruhm, den man so als Weltstar hat! Da kann man sich ja nicht mehr normal mit seinen Freunden treffen, einfach in gemütlicher Runde einen Sprudel trinken. Damit wäre es dann aus, für immer!

Außerdem fehlt mir das Talent für lange Romane, ich Krieg ja nicht mal Kurzgeschichten hin!

Zur Hölle, ich kann mir gar keine Geschichten ausdenken.

Na gut, da lass ich es lieber sein, ist wohl besser so.

 

(Anmerkung zum Abschluss: dies ist Fiktion, ich habe mir das am Schreibtisch ausgedacht, ich hatte nicht wirklich diese Gedanken, als ich mal die Straße hinunter ging!)

Warum?

Warum?

Einfach so.

Ich schreibe gerne mit dem Füllhalter. In letzter Zeit fällt mir nichts  mehr ein, deshalb schreibe ich kleine Geschichten, da fällt mir gerne etwas ein.

Da ich Spracherkennung habe, diktiere ich meine Geschichten in den Rechner, das muss ich zwar noch händisch korrigieren, aber das ist nicht so viel Aufwand. Direkt meine Geschichtlein in den Rechner tippern, das könnte ich nicht.

Wer es schlecht findet, der braucht es nicht zu lesen.